Nutztierhaltung zwischen Effizienz und Moral
Unser Philosophiekurs der Jahrgänge 9 und 10 besuchte am 08.05.2026 den Schweinebetrieb von Thomas Ostendorf und seiner Familie. Im Unterricht hatten wir uns zuvor mit den Themen Ökologie und Ökonomie beschäftigt und darüber diskutiert, wie sich wirtschaftliche Interessen und Umweltschutz miteinander vereinbaren lassen. Genau diese und viele weitere Fragen beantwortete uns Landwirt Thomas Ostendorf während unseres Besuchs.
Zu Beginn der Exkursion führte er uns über seinen Betrieb. Durch ein Fenster konnten wir einen Blick in die sogenannte Ferkelbucht werfen. Dort leben die jungen Ferkel und haben verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten, beispielsweise Zeitungen oder Bälle, mit denen sie spielen können.
Anschließend besichtigten wir den Bereich der Sauen. Dabei erfuhren wir, dass Schweine sehr saubere Tiere sind. Sie trennen ihren Schlafplatz selbstständig von dem Bereich, den sie als Toilette nutzen. Außerdem verfügt der Hof über einen Kreißsaal für die Sauen. Dort bringen sie ihre Ferkel zur Welt und verbringen die ersten vier Wochen gemeinsam mit ihrem Nachwuchs. Danach werden die Tiere in verschiedene Stallbereiche umgesiedelt. Eine Sau bekommt im Laufe ihres Lebens etwa sechs Würfe mit jeweils mindestens zehn Ferkeln. Zurzeit leben auf dem Betrieb rund 400 Sauen und etwa 2.500 Ferkel.
Besonders interessant waren für uns die Informationen zur Nachhaltigkeit und Effizienz der Tierhaltung. Thomas Ostendorf erklärte unter anderem, wie viel Futter verschiedene Tierarten benötigen und welche Auswirkungen dies auf die Umwelt hat. Überraschend war auch die Information, dass allein in Berlin täglich rund 60.000 Hähnchen verzehrt werden. Das entspricht der Produktion von mehr als zwei gesamten Betrieben.
Zum Abschluss der Führung beantwortete der Landwirt unsere Fragen offen und ehrlich. Dabei ging es unter anderem um die wirtschaftliche Situation eines landwirtschaftlichen Betriebs, Fördermittel der Europäischen Union und die Herausforderungen des Berufs. Laut Thomas Ostendorf erhält sein Betrieb jährlich etwa 7.800 Euro an EU-Fördergeldern. Gleichzeitig steigen die Kosten durch verschiedene Faktoren stetig an. Eine große Herausforderung ist das Wetter. Hohe Temperaturen führen dazu, dass Pflanzen schneller austrocknen und die Ställe stärker gekühlt werden müssen. Sowohl die zusätzliche Bewässerung der Felder als auch die Belüftung der Ställe verursachen hohe Kosten. Dennoch betonte Ostendorf, dass ihm das Wohl seiner Tiere sehr wichtig sei und er ihnen möglichst gute Lebensbedingungen bieten möchte.
Auch moralische Fragen wurden angesprochen. Besonders interessierte uns, ob er bereits aus Umweltschutzgründen auf wirtschaftliche Vorteile verzichtet habe. Dazu erklärte er, dass er an seinen Feldern bewusst Grünstreifen stehen lasse. Diese schützen den Boden, fördern die Artenvielfalt und bieten Insekten sowie Kleintieren einen wichtigen Lebensraum.
Insgesamt hat uns die Exkursion sehr gut gefallen. Wir konnten viele neue Einblicke in die moderne Landwirtschaft gewinnen und haben viel über die Herausforderungen, aber auch über die Verantwortung eines Landwirts gelernt.