Ehemalige Präsidentin des Spanischen Zentrums Münster berichtet über Migrationserfahrungen

Im Rahmen der Unterrichtsreihe „Inmigración“ durfte der Spanischkurs der Q1 am 29.05.2026 einen besonderen Gast begrüßen: Carmen Caamaño, Galizierin und ehemalige Präsidentin des Spanischen Zentrums Münster. Sie berichtete den Schüler:innen in spanischer Sprache von ihrer persönlichen Familiengeschichte und der Migration ihrer Familie nach Deutschland.

Ihr Vater kam im Jahr 1971 nach Münster. Die damalige wirtschaftliche Lage in Spanien sowie die politischen Umstände während der Franco-Diktatur führten dazu, dass viele Spanier:innen ihre Heimat verlassen mussten, um in Deutschland Arbeit und eine bessere Zukunftsperspektive zu finden – so auch ihr Vater. Ein Jahr später folgte ihm die gesamte Familie nach Deutschland. Carmen Caamaño war damals zwölf Jahre alt und schilderte eindrucksvoll, wie sie ihre Reise und Ankunft in Deutschland erlebte – es flossen sehr viele Tränen, die Kälte überkam sie, die neue Sprache und das Leben in einer zunächst fremden Umgebung machten Angst. Nach der Franco-Diktatur kehrte die Familie nach Spanien zurück. Alle, außer Carmen. Sie fühlte sich nun wohl in Deutschland und wollte nicht schon wieder alles zurücklassen. So begann sie eine Ausbildung, lernte ihren Mann kennen und blieb für immer.

Neben ihrer persönlichen Geschichte gab Carmen Caamaño auch Einblicke in die Bedeutung des Spanischen Zentrums Münster, das für viele spanische Familien ein wichtiger Ort der Begegnung, Unterstützung und kulturellen Identität war. Seit 50 Jahren gestaltet sie die Geschichte des Zentrums aktiv mit und setzt sich für die spanischsprachige Gemeinschaft in Münster ein.

Besonders anschaulich wurde der Vortrag durch persönliche Erinnerungen und mitgebrachte Materialien. Am Ende zeigte Carmen Caamaño unter anderem noch das Zugticket ihres Vaters aus dem Jahr 1971, das den Schüler:innen die Migrationsgeschichte noch einmal sehr greifbar machte.

Am Ende der Stunde fragte ein Schüler, ob sie sich als Deutsche fühle. Sie antwortete: „Nein, ich fühle mich hier sehr wohl, bin jedoch Spanierin“. Dieser Satz machte den Schüler:innen noch einmal deutlich, wie tief die Verbindung zur eigenen Herkunft auch nach vielen Jahren bleiben kann – und dass Integration nicht bedeutet, die eigene Identität aufzugeben.

Der Besuch bot dem Spanischkurs eine wertvolle Möglichkeit, das Migrationsthema nicht nur theoretisch, sondern anhand einer echten Lebensgeschichte kennenzulernen. Die Schüler:innen erhielten dadurch einen persönlichen, bewegenden und authentischen Einblick in die spanische Migration nach Deutschland.