Stolpersteine für die Familie van Bingen
Am Dienstag, den 27. Januar 2026, hat das Gymnasium Ochtrup gemeinsam mit der Stadt Ochtrup fünf Stolpersteine für die Familie van Bingen verlegt. Zahlreiche Menschen nahmen an der Gedenkveranstaltung teil – darunter die Verwaltungsspitze und Vertreter:innen des Rates der Stadt Ochtrup, die Schulleitung des Gymnasiums, viele Bürger:innen sowie Frau Schuch vom WDR-Stolpersteine-Team. Die hohe Beteiligung zeigt: Erinnern ist in Ochtrup gelebte Gemeinschaftsaufgabe.
Besonders bewegend war die Teilnahme unserer Gäste aus Rijssen (NL). Linda Timmerman, deren Familie in persönlicher Verbindung zu den Opfern stand, und Dick Poortman, der seit über 40 Jahren zur jüdischen Geschichte in Rijssen forscht, bereicherten das Gedenken mit ihren Beiträgen. Auch ehemalige Schüler:innen unseres Gymnasiums waren vor Ort – junge Menschen, die bereits während ihrer Schulzeit an den Recherchen gearbeitet und damit einen Grundstein für diesen Tag gelegt haben.
Lernen vor Ort: Workshop mit dem WDR-Stolpersteine-Team
Im Vorfeld der Verlegung nahm der EF-Geschichtskurs von Herrn Schwertheim an einem Workshop mit Frau Schuch vom WDR-Stolpersteine-Team teil. Im Mittelpunkt standen:
- Recherchemethoden und Quellenkritik
- die Arbeit mit der WDR-Stolpersteine-Website und
- journalistische Verantwortung beim Erzählen historischer Biografien.
So wurden Geschichtslernen, Medienkompetenz und Gedenkkultur sinnvoll miteinander verbunden – ein Beispiel dafür, wie nachhaltiges Lernen aus der Geschichte heraus entsteht.
Ein Projekt mit langem Atem: Seit 2021 gemeinsam für Erinnerung
Die Verlegung ist Teil des seit 2021 laufenden Stolpersteinprojekts, das Herr Schwertheim in enger Zusammenarbeit mit Frau Schlesiger vom Stadtarchiv Ochtrup verantwortet. Seit Beginn des Projekts wurden in Ochtrup zehn Stolpersteine verlegt, es sind mehr als 16 Artikel und Biografien erarbeitet und veröffentlicht worden und es entstanden Kooperationen mit Stadt, Archiven, Medien und internationalen Partner:innen.
Diese Ergebnisse sind nur möglich dank der sehr guten und verlässlichen Zusammenarbeit mit der Stadt Ochtrup und der Unterstützung durch die Schulleitung. Genehmigungen, Organisation, Zugang zu Archiven und die pädagogische Begleitung greifen hier vorbildlich ineinander. Dafür sagen wir ausdrücklich Danke!
Warum wir erinnern
Die Geschichte der Familie van Bingen steht stellvertretend für unzählige Lebenswege, die durch Ausgrenzung, Verfolgung, Deportation und Ermordung in der NS-Zeit gewaltsam beendet wurden – und zugleich für Verbindungen über Grenzen hinweg: zwischen Ochtrup und Rijssen, zwischen damals und heute, zwischen Schule, Stadtgesellschaft und internationalen Freund:innen.
Erinnerung ist dabei keine reine Rückschau, sondern eine Haltung. Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mahnt: „Ihr seid nicht schuld an dem, was war. Aber verantwortlich dafür, dass es nicht wieder geschieht.“ Dieser Satz beschreibt den Kern unseres schulischen Engagements. In einem weiteren Appell formuliert sie: „Es ist eure Welt. Gestaltet sie menschlich.“ Beides macht deutlich, warum wir Namen nennen, Biografien erforschen und Geschichten öffentlich erzählen.
Dank und Ausblick
Unser Dank gilt allen, die diese Verlegung möglich gemacht haben: der Stadt Ochtrup und dem Stadtarchiv für Vertrauen, Unterstützung und akribische Recherche, der Schulleitung für Rückhalt, Ressourcen und Kontinuität, Frau Schuch und dem WDR-Stolpersteine-Team für die fachliche Begleitung, unseren Gästen aus Rijssen für persönliche Zeugnisse und jahrzehntelange Forschung, sowie den Schüler:innen und Ehemaligen, die durch ihre Arbeit die Namen wachhalten.
Die Steine liegen im Boden. Die Verantwortung liegt bei uns. In diesem Sinne werden wir das Projekt fortführen – forschend, vermittelnd und im Gespräch mit der Stadtgesellschaft. Denn Erinnerungskultur ist dann stark, wenn sie verbindet, bildet und handelt.
Ein Beitrag von Udo Schwertheim, Bilder von Karin Schlesiger