Holocaust-Überlebende Eva Weyl zu Besuch am Städtischen Gymnasium Ochtrup
Am vergangenen Mittwoch durften wir eine besondere Besucherin begrüßen: Die Holocaust-Überlebende Eva Weyl war zu Gast und berichtete vor dem Jahrgang der Stufe zwölf sowie den Schüler:innen der zehnten Klassen von ihren Erfahrungen während der Zeit des Nationalsozialismus und ihrer Leidenszeit im Durchgangslager Westerbork.
Organisiert wurde der Besuch von Herrn Pohlmanns Grundkurs Geschichte der Jahrgangsstufe zwölf. Ziel war es, Geschichte nicht nur aus dem Unterricht, sondern durch eine persönliche Begegnung erlebbar zu machen. Gerade in einer Zeit, in der immer weniger Überlebende persönlich von ihren Erlebnissen berichten können, war dieser Besuch von großer Bedeutung. Eva Weyl nahm sich viel Zeit, um ihre Lebensgeschichte zu erzählen, und unterstützte ihren Vortrag mit einem Film, Bildern und Karten.
Zu Beginn berichtete sie über ihre Familie und ihre Kindheit. Besonders eindrücklich schilderte sie ihre Zeit im Durchgangslager Westerbork. Sie erklärte, warum der Zweite Weltkrieg kein „normaler Krieg“ war, sondern ein bis ins Detail geplanter Vernichtungskrieg. Viele ihrer Erinnerungen seien bis heute sehr präsent, vor allem der Moment, als sie zum ersten Mal die stinkenden Baracken betrat. Gleichzeitig erzählte sie auch von dem Halt, den sie durch den Zusammenhalt mit ihrer Schulklasse hatte, was für sie einer der wenigen schönen Momente in dieser Zeit gewesen sei. Rückblickend beschrieb sie ihr damaliges Leben im Westerbork allerdings als eine bewusst geschaffene „Scheinwelt“. Das Lager sollten nach außen einen Eindruck von Normalität vermitteln, um die Gefangenen zu beruhigen und verdeckte so das wahre Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen. Schließlich starteten von hier hunderte Züge in die Konzentrationslager wie z.B. Auschwitz. Frau Weyls Familie war zwar mehrmals für diese Todeszüge vorgesehen, entkam ihnen aber durch unglaubliches Glück.
Immer wieder machte Eva Weyl deutlich, dass es ihr nicht nur um die Vergangenheit geht, sondern vor allem um die Verantwortung der Gegenwart. „Jeder Mensch urteilt zu schnell“, betonte sie, und lobte Schulen, darunter unsere, die sich aktiv gegen Rassismus einsetzen. Besonders eindringlich war ihr Appell: „Ihr habt die Verantwortung mitzuhelfen, dass so etwas nie wieder passiert.“ Sie erklärte, dass wir als Zuhörer:innen nun „Zweitzeugen“ seien, die ihre Geschichte weiter erzählen sollen.
Zum Abschluss ermutigte sie die Schüler:innen, auf ihr Herz zu hören und sich für Menschlichkeit und Zusammenhalt einzusetzen. „Von außen sind wir verschieden, im Inneren schlägt das gleiche Herz“ und „Wir sind alles Menschen“, lauteten zwei ihrer zentralen Aussagen. Sie erinnerte außerdem daran, dass Deutschland heute ein freies Land sei und dass es unsere Aufgabe sei, diese Freiheit zu bewahren.
Der Vortrag hinterließ einen nachhaltigen Eindruck und regte viele zum Nachdenken an. Die Begegnung mit Eva Weyl zeigte, wie wichtig Erinnerung, Verantwortung und Zusammenhalt auch für zukünftige Generationen sind.
Ein Beitrag von Sarah Hörst (Q1)